Wissensnotizen / A33 · Wissensbibliothek

Botanische Fotos.
Was zeigen sie wirklich?

Ein botanisches Foto hält ein Erscheinungsbild fest. Der begleitende Text kann weitere Aussagen enthalten: einen Namen, ein Datum, eine Ursache oder eine Geschichte. Dieser Artikel trennt das Sichtbare von den dokumentierten Angaben und den Schlussfolgerungen des Autors.

Die Begriffe entdecken ↘
Allgemeine botanische Illustration von drei gemusterten Samen
Allgemeine Samenillustration · kein dokumentiertes Exemplar und kein anatomischer Schnitt

Drei Begriffe,
ein klareres Bild.

01

Beobachtung

Was im Bild zu sehen ist

02

Dokumentation

Was die Quelle dokumentiert

03

Schlussfolgerung

Eine Deutung der vorhandenen Belege

Drei Informationsebenen

Ein gebogener Umriss ist sichtbare Geometrie. Das dokumentierte Sammeldatum liefert Kontext. Eine Erklärung dafür, warum der Umriss gebogen ist, deutet eine Ursache. Alle drei Informationen können hilfreich sein, beruhen aber auf unterschiedlichen Grundlagen.

Eine informative Bildunterschrift muss nicht bei allem unsicher klingen. Sie kann ein sichtbares Merkmal genau benennen und ebenso genau angeben, woher eine Bestimmung stammt. Problematisch wird es, wenn eine Deutung so dargestellt wird, als wäre sie unmittelbar fotografiert worden.

Was ein Belegdatensatz ergänzt

Kew erläutert, dass Herbarbelege unter anderem mit Angaben zur Bestimmung, zum Fundort und zum Sammeldatum beschriftet werden. Diese Dokumentation verbindet ein Exemplar mit einem Kontext, den sein Aussehen allein nicht liefert. Bei einem herausgelösten Bild geht ein Teil dieses Zusammenhangs verloren.

In einem digitalen Artikel hilft ein Verweis auf die ursprüngliche Bildquelle, diesen Zusammenhang zu erhalten. Ein Dateiname ersetzt den Originaldatensatz nicht: Er kann bei der Veröffentlichung gekürzt, übersetzt oder geändert worden sein. Die ursprüngliche Dokumentation sollte vom beschreibenden Titel der Redaktion unterscheidbar bleiben.

Ein Bild ist kein Experiment

Eine einzelne Aufnahme belegt weder einen früheren Zustand noch ein späteres Ergebnis oder die Wirkung einer bestimmten Handlung. Auch bei zwei Bildern muss feststehen, ob sie vergleichbares Material zeigen. Eine Vorher-nachher-Anordnung kann einen ursächlichen Zusammenhang nahelegen, den die Dokumentation gar nicht nachweist.

Ein gedankliches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Zwei Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln können denselben Gegenstand auf einem Bild aufrechter erscheinen lassen. Der sichtbare Unterschied ist vorhanden, doch die Anordnung allein belegt keine biologische Veränderung. Der Kontext gehört zur Interpretation.

Hilfreiche Begriffe beim Lesen

Sichtbar bezeichnet Einzelheiten, die das Bild tatsächlich zeigt. Dokumentiert bezeichnet Angaben aus der Quelle. Gedeutet bezeichnet die Erklärung des Autors. Diese Wörter sind keine starren Kategorien für jeden Satz, helfen aber dabei, den Übergang von Beschreibung zu Schlussfolgerung zu erkennen.

In dieser Wissensbibliothek behalten echte Fotos ihren Quellennachweis und Illustrationen ihre Kennzeichnung. Fehlt das Bild eines bestimmten Exemplars, darf ein unverbundenes Foto nicht als Beleg einspringen. So verspricht eine ansprechende Seite nicht mehr, als ihre Bilder tragen können.

Fragen verständlich beantwortet

Etwas mehr
Klarheit.

Kann ein Foto allein eine Ursache belegen?

Ein einzelnes Erscheinungsbild belegt normalerweise nicht die dahinterliegende Entstehungsgeschichte.

Warum sollte die ursprüngliche Quellseite erhalten bleiben?

Sie kann Angaben zur Bestimmung und zum Kontext enthalten, die in der Bilddatei fehlen.

Ist eine Illustration ein dokumentierter Beleg eines Exemplars?

Nein. Ihre erklärende Funktion sollte gesondert benannt werden.

Beweist ein Dateiname die Identität?

Nein. Ein Dateiname kann unabhängig von der ursprünglichen Dokumentation geändert werden.

Ist das ein Ratgeber zur Diagnose der Pflanzengesundheit?

Nein. Er erläutert den Unterschied zwischen Aussagen über Fotos und ihren Belegen.

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